„Der Kellner ist aber freundlich!“ – „Ja, ich habe mir schon überlegt euch beide mal alleine zu lassen. Warum musst du eigentlich jedes Mal flirten, wenn wir irgendwo hin gehen?“
Ja, das ist oft die Preisfrage: Warum flirten wir eigentlich? Eines steht schon von Beginn an fest. Auch wenn ein Flirt zu einem sexuell motivierten Kontakt gehört, heißt das nicht, dass man mit jedem Flirtkontakt im Bett landen will. Also muss es noch eine ganze Reihe anderer Gründe für das Flirten geben.
Wie alles, was sich zwischen Mann und Frau und natürlich auch zwischen Homosexuellen abspielt, gibt es immer eine biologische Komponente. So dient das Flirten dazu, jemanden zu zeigen, dass man ihn interessant findet. Wie in der Tierwelt funktioniert diese Sympathiebekundung größtenteils über Duftstoffe, wodurch das Flirten oft wie von selbst funktioniert. Die biologische Funktion der Interaktion mit einem Artgenossen des anderen Geschlechts ist natürlich immer die Fortpflanzung. Und auch in der Realität sind einige Flirtwillige auf der Partnersuche.
Doch auch wenn man schon in einer Partnerschaft lebt, flirtet man das eine oder andere Mal gerne. Dies kann auf die Bindungstheorie von Bowlby zurückgeführt werden. Dieser spricht nämlich von zwei gegensätzlichen Bedürfnissen des Menschen: die Bindung und die Exploration. Schon im Kindesalter sucht man einerseits die Geborgenheit und die Sicherheit in der Familie, andererseits will man die Welt entdecken und unabhängig sein. Diese Verhaltensweise wird auch auf die Beziehungswelt übertragen, wo wir einerseits Halt in einer fixen Partnerschaft suchen, uns andererseits aber auch Abenteuer wünschen. Außerdem ist ein netter Flirt auch eine Bestätigung dafür, dass man innerhalb der Beziehung als eigenständiges Subjekt besteht. Dies ist besonders für Personen wichtig, die aufgrund schlechter Erfahrungen Angst vor Enttäuschungen in der Beziehung haben. So haben sie zumindest die Gewissheit auch beim Scheitern der Beziehung zurecht kommen zu können.
Manche sehen den Flirt auch als eine einfache und schnelle Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung an. So verleiht ein Flirt nicht nur Selbstsicherheit, sondern auch die Gewissheit noch attraktiv und begehrt zu sein. Außerdem fördert es eine gewisse Sprachkompetenz und eine soziale Kompetenz, da viele Flirts zu einem größeren Freundeskreis führen.
Zu guter letzt bleibt noch zu erwähnen, dass Flirten auch einfach Spaß machen kann. Es kann dazu dienen die Laune aufzubessern. Durch die Freisetzung von Glückshormonen beim Flirten verspürt man ein schönes Gefühl, das manchmal auch so weit gehen kann, dass man das Gefühl hat auf Wolken zu schweben, wenn man gerade einen intensiven Flirt hatte.